Analog Gaming

Wer in letzter Zeit meine InstaStories verfolgt hat, hat es vermutlich schon gemerkt: In diesem Winter hat uns endgültig das Brettspiel-Fieber gepackt. Erfahrene Spieler werden gelangweilt abwinken, das wir spät dran sind. We know. Aber was sich in den letzten Jahren immer mal wieder angedeutet hat, ist nun zur Gewohnheit geworden.

Der Boom von Brettspielen erklärt sich dabei leicht. Man trifft sich mit Freunden, macht (oder besorgt) sich was zu essen und spielt dann ein paar Stunden. Das ist äußerst unterhaltsam, kommunikativ und man oftmals gutes Denktraining. Die Spielthemen werden vielfältiger und der Faktor Design spielt eine immer größere Rolle. Auch die zunehmende Anzahl an kooperativen Spielen trägt dazu bei, da hier der Wettbewerb wegfällt und man zusammen den Weg zum Sieg suchen muss.  

Dringt man in den Kenner- und Experten-Bereich vor, ist man beeindruckt von der Ideenvielfalt und Komplexität der Spiele. Es wird deutlich, wie der Faktor Glück (etwa durch Würfeln oder Karten ziehen) nahezu komplett wegfällt und Taktik und Strategie mehr in den Vordergrund rücken. Das ist einerseits anspruchsvoller, sorgt aber für weniger Frust. Allerdings ändern sich die Mechanik und der Rhytmus der Spiele schon deutlich, darauf muss man sich einlassen und etwas Geduld mitbringen – was sich letztendlich aber aufgrund der Tiefe der Spiele auszahlt.

Die Klassiker wie Monopoly und Risiko kennt fast jeder. Ebenso beliebt sind die gängigen Kartenspiele. Um die Jahrtausendwende waren Spiele wie „Die Siedler von Catan“ oder „Carcassonne“ größere Million-Seller. Wir haben diese Titel (und ein paar andere) immer wieder sporadisch gespielt, bis „Azul“ vor zwei Jahren erschien. Optisch ein Hingucker, mit einem angenehmen Spielprinzip, und weg von den verstaubten Geek-Faktoren.

Nach „Azul“ hat „Flügelschlag“ letztes Jahr endgültig für unseren Durchbruch gesorgt. Ein ungewöhnliches Thema auf Kenner-Niveau, vom kleinen, aber feinen Feuerland-Verlag in der Nähe von Frankfurt ist der Renner der Saison. Und war unser Spielbetrieb in den Jahren davor immer mal eine sporadische Angelegenheit, hat sich seit dem Herbst 2019 alles geändert. Blogs wurden durchforstet und massenweise YouTube-Videos gesichtet. Man setzt sich mit Spiele-Autoren auseinander, lernt die unterschiedlichen Mechanismen kennen und verinnerlicht die Bestenliste auf BoardGameGeek.

Es folgten dann schnell ein ganzer Schlag von Spielen. Mittlerweile beinhaltet unsere Sammlung auch erste Expertenspiele wie „Gaia Project“ oder „Brass Birmingham“. Dazu kommt eine Kiste mit kleineren Karten- und Würfelspielen. Ein weiteres Dutzend steht auf der Wunschliste, und demnächst wird auch mal bei Kickstarter eingestiegen. Nur vor den Spielen von Vital Lacerda habe ich noch ein wenig Respekt, aber auch die Hürde wird bald genommen.

Ein Problem stellt dabei auch die Verfügbarkeit dar. Populäre Spiele sind gerne mal vergriffen, gerade wenn sie von kleineren Verlagen kommen. Dann kann man sich auf mehrere Monate Wartezeit einstellen, im schlimmsten Falle werden die Spiele gar nicht mehr hergestellt. Alles in einem ein sehr komplexes Thema, bei dem man die Highlights gerne auch mal in der zweiten oder dritten Reihe findet.

Auch wenn unsere Sammlung bei weitem noch nicht ausreicht, um eine objektive Wertung oder Listung wichtiger Spiele abzugeben, hier mal ein paar erste, weitgehend bekannte Favoriten, die sich für Einsteig anbieten:

Brettspiele (Party/Familienlevel): Azul • Camel Up • Codenames • King of Tokio • Wettlauf nach El Dorado • Zug um Zug
Karten- & Würfelspiele: Der große Dalmuti • Die Crew • Kodama • L.A.M.A. • Phase 10 • Qwixx • SkipBo • Skyjo • Syndikat • The Game
Ein wenig mehr Anforderungen stellen Spiele wie Flügelschlag, Die Tavernen vom tiefen Thal, Pandemic oder Space Base, einer unserer persönlichen Favoriten.

Ein paar Seiten und Kanäle für den Anfang:

Hunter & Cron / YouTube
Play That Funky Boardgame
Better Board Games
BrettspielGeeks / YouTube
Boardgame Geek
Boardgame Junkies
Kickstarter (Games)
Feuerland Spiele

Brass Birmingham